Juli - "Nacktbilder aus dem Seelenleben"

Malerei (Öl und Acryl) aus der Tiefe von Walter Bachmann

Der Ausstellungstitel „Nacktbilder aus dem Seelenbeben" ist kein Wortspiel des Effektes wegen. Er deutet vielmehr den Verzicht auf Rationalität an, der den jetzt ausgestellten Bildern zu Grunde liegt; und er zeigt an, dass die Bilder aus der Tiefe des Unbewussten des Künstlers kommen, nicht verkleidet oder geschönt.



Die weitaus meisten der über 20 gezeigten Gemälde gelangen hier zum erstenmal in die Öffentlichkeit. Es sind überwiegend Akte und Menschendarstellungen, die an sich nur einen kleinen Teil im bisherigen Gesamtwerk des Künstlers ausmachen.
Der Zusammenhalt dieser Ausstellung liegt nicht in den dargestellten Objekten, dem Stil oder der Technik In der Fülle dieser Ausstellung liegt der Zusammenhalt in der deutlichen Spürbarkeit hier einen tiefen Einblick in eine Seele zu haben, hier Signale aus dem Verborgenen zu bekommen. Dass sich dem Betrachter nicht sofort eine rationale, logische Bedeutung aufdrängt, heißt nicht, dass es keine gibt; sie ist nur sehr vielschichtig.
12 der gezeigten Gemälde gehören in 4 Dreiergruppen zusammen. Hier gibt es weibliche Akte, die an einen plakativen, pornografischen Comic erinnern, und männliche im Stil aggressiver Propaganda Da sind ruhige Harmonie und dann spannungsgeladene Zerrissenheit sichtbar; Bilder, die in sich ruhen und andere, die Geschichten erzählen; Luftschiffe, die einen nächtlichen Raum durchfliegen, der schwer erfassbar ist, ein apokalyptischer Reiter, der aus dem Bild springt wechseln mit der Geborgenheit eines schwebenden Embryos und mit dem Menschen, der im Licht mit allem eins wird. Vor allem wird hier eine Betroffenheit, eine Berührung erlebbar und dieses ebn nicht nur in dem krassen Aufzeigen einer Folterszene,
Walter Bachmann, Jahrgang 1959 ist „weder auf Rosen gebettet ins Leben gekommen, noch hat er Zeiten in Watte verpackt hinter dem Ofen oder bei der Heilsarmee verbracht", wie er über sich selbst sagt: Bachmann hat zwei abgeschlossene handwerklich-technische Berufsausbildungen, zuletzt arbeitete er als Anleiter und Betreuer mit Behinderten. Seit 4 Jahren arbeitet er ausschließlich als Kunstschaffender. Früher hat er seine Werke regelmäßig zerstört, seine Arbeiten zum Teil aus Platzmangel in Müllcontainer „entsorgt". Diese Zeiten sind vorbei, nachdem er in der Vergangenheit mehr als 20 mal umzog, mehr als 20 Staaten bereiste ist das Kunstschaffen (insbesondere die Malerei) für ihn heute „wie endlich zu hause angekommen sein".
Bachmann ist ein Künstler, dem jeder Habitus des Elitären fremd ist: Erfüllung und tiefe Befriedigung sind ihm heut genauso vertraut, wie Schmerz und persönliche Krisen: Fragen hierzu und nach seiner Empfindsamkeit beantwortete er einmal mit: „Ich schreibe keine Bücher, aber du kannst dir meine Bilder ansehen. Mit 15 Jahren habe ich zum erstenmal einen Preis für eine Zeichnung bekommen. Seitdem hat es mir zwischen Zehen und einem dreifachen Schädelbruch in jeder Körperpartie schon mal die Knochen zerlegt, aber auch sonst ist viel passiert."
In der Ausstellung „Nacktbilder aus dem Seelenbeben" werden die Betrachter eingeladen, die Bilder zu erleben. Ein Publikum, welches meint, Provokationen und Tabubrüche müssten um jeden Preis sein, ausschweifende Konzepte gehören dazu und komplexe, akademische Erklärungen seien unabdingbar, wird hier nicht bedient. Walter Bachmann hat seine eigen Bildsprache, welche ohne die Szenegewohnheiten auskommt. Für zwanghafte, pseudowissenschaftliche Erklärungen und Zuordnungen aus den Bereichen Psychologie, Religion, Sozial- und Kunstwissenschaften ist nach dem Ausstellungsbesuch Platz - vor der Tür!
Dies ist Bachmanns 7, Einzelausstellung. Sein Werk, das bisher Malerei, Zeichnung, Grafik, Collagen, Objekte und Installationen umfasst, umschreibt er seit 25 Jahren mit dem Begriff „Fantastischer Realismus". Dass es in der Ausstellung „Nacktbilder aus dem Seelenbeben" deutliche erotische Momente gibt, ist kein Zufall.


Bericht aus dem Weser-Report (eb)
30. Juni 2004